Olympia ohne deutsche Wasserballer - Ein Rückblick

Erstellt von Wolfgang Philipps | | Startseite

Die Olympischen Spiele in Tokio (Japan) werden wie schon 2012 und 2016 ohne Deutschlands Wasserballer stattfinden. Beim weltweiten Qualifikationsturnier in Rotterdam (Niederlande) beendeten nach den drei Auftaktniederlagen gegen den Gastgeber (10:11), Frankreich (12:13) und Russland (5:17) schließlich ein 7:12 (1:1, 4:4, 1:4, 1:3) gegen Rumänien sowie ein 8:22 (3:5, 2:6, 1:5, 2:6) gegen den zweimaligen Weltmeister Kroatien auch die letzten rechnerischen Chancen der deutschen Mannschaft, die damit schon nach der Vorrunde die Segel streichen musste.

Die Vertretung des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) hätte als WM-Achter von 2019 hochgerechnet auf das Teilnehmerfeld den letzten Tokio-Startplatz erklommen, doch lief bei der um ein ganzes Jahr nach hinten verlegten Qualifikationsveranstaltung aus deutscher Sicht so gut wie nichts. „Die Hindernisse waren am Ende doch zu groß“, stellte Bundestrainer Hagen Stamm enttäuscht fest. So musste der Berliner aus unterschiedlichen Gründen gleich auf vier seiner 13 WM-Teilnehmer von 2019 verzichten. Die verbliebenen DSV-Aktiven hatten sich seit Jahresbeginn jeweils in Warendorf intensiv vorbereitet, mussten allerdings bei den beiden letzten Trainingsmaßnahmen coronabedingt kurzfristig auf die dringend benötigten internationalen Sparringspartner verzichten.

Angesichts der schwachen Resultate der deutschen Vereinsteams vor dem Jahreswechsel in den Europapokalwettbewerben dürfte ebenso der bis in den März verschobene Start der Bundesliga von Nachteil gewesen. Auch die Veranstaltung in Rotterdam konnte nur ohne Zuschauer und unter erheblichen Hygieneauflagen zur Austragung kommen. „Im vergangenen Jahr wäre das Turnier sicherlich anders gelaufen“, hieß es in den Sozialen Medien unter Hinweis auf die dortigen Spielresultate und die gute Formkurve der DSV-Auswahl, doch war damals das Olympiaqualifikationsturnier in der Woche vor dem Start abgesagt worden.

Aus Niedersachsen waren in Rotterdam vom deutschen Meister Waspo 98 Hannover die langjährigen Stammkräfte Julian Real und Moritz Schenkel sowie als überraschender Nachrücker Fynn Schütze im Einsatz. wobei Linkshänder Schütze in Zukunft zu den Stammkräften der DSV-Auswahl aufrücken könnte. Dagegen hatten mit Aktivensprecher Tobias Preuß und Ersatztorwart Kevin Götz zwei WM-Teilnehmer von 2019 verletzungsbedingt kurzfristig passen müssen und reihten sich damit ebenso in den Kreis der schmerzhaften Absagen ein.

Mit dem Spiel gegen Kroatien beendete zugleich Bundestrainer Hagen Stamm wie schon länger angekündigt seine Tätigkeit auf der deutschen Bank, nachdem der zweimalige Europameister Anfang 2017 zum zweiten Mal nach 2000 bis 2012 das Team übernommen hatte. Der Berliner hatte in seiner ersten Amtszeit die DSV-Auswahl 2004 in Athen (Griechenland) und 2008 in Peking (China) zu ihren beiden bisher letzten Olympiateilnahmen geführt.

Die drei letzten der lediglich zwölf (!) Tokio-Startplätze holten sich in Rotterdam die im Vorfeld favorisierten Teams aus Montenegro, Griechenland und Kroatien, die bereits bei den vergangenen Spielen zu den Stammgästen der Veranstaltung gezählt hatten. Fußnote aus niedersächsischer Sicht: Im Spiel um Platz drei standen sich mit Marko Macan (Kroatien) und Ivan Nagaev (Russland) zwei der ausländischen Akteure von Waspo 98 im direkten Vergleich gegenüber, wobei Kroatien nach einem gerade epischen Fünfmeterwerfen mit 25:24 siegreich blieb und sich für das größte Ereignis des Weltsports qualifizieren konnte. Mit DSV-Schiedsrichter Frank Ohme (Hemmingen-Westerfeld) konnte der vierte deutsche Teilnehmer aus Niedersachsen zudem das Endspiel zwischen Montenegro und Griechenland (10:9) leiten.

Olympiaqualifikationsturnier 2020 in Rotterdam (Niederlande)

Resultate 

Sonntag, den 14. Februar 2021
13:00 (A) Georgien – Griechenland 10:11 (2:3, 3:5, 5:2, 0:1)
14:30 (A) Kanada – Brasilien 11:7 (4:3, 1:1, 3:2, 3:1)
16:00 (B) Niederlande – Deutschland 11:10 (5:2, 3:2, 2:2, 1:4)  
19:00 (B) Kroatien – Rumänien 16:6 (5:1, 3:1, 4:2, 4:2)
20:30 (B) Frankreich – Russland 12:13 (2:3, 2:4, 5:3, 3:3)

Montag, den 15. Februar 2021
13:00 (B) Rumänien – Russland 9:9 (3:1, 1:4, 2:4, 3:2)
14:30 (B) Deutschland – Frankreich 12:13 (1:4, 3:2, 5:2, 3:5)
16:00 (A) Griechenland – Brasilien 15:8 (5:1, 5:2, 4:2, 1:3)
17:30 (A) Montenegro – Kanada 21:7 (7:1, 6:3, 4:1, 4:2)
19:00 (B) Kroatien – Niederlande 25:8 (7:1, 7:4, 5:1, 6:2)

Dienstag, den 16. Februar 2021
13:00 (A) Brasilien – Montenegro 5:15 (1:3, 3:6, 1:2, 0:4)
16:00 (A) Kanada – Georgien 11:14 (1:3, 2:3, 4:4, 4:4)
17:30 (B) Russland – Deutschland 17:5 (5:1, 1:2, 5:0,  6:2)
19:00 (B) Niederlande – Rumänien 9:8 (2:1, 2:3, 2:2, 3:2) 
20:30 (B) Frankreich – Kroatien 10:13 (2:3, 3:2, 2:5, 3:3)

Mittwoch, den 17. Februar 2021
13:00 (B) Rumänien – Deutschland 12:7 (1:1, 4:4, 4:1, 3:1)
14:30 (B) Kroatien – Russland 13:14 (5:3, 4:4, 4:4, 0:3)
16:00 (A) Griechenland – Montenegro 4:8 (1:4, 1:1, 1:1, 1:2)
17:30 (A) Georgien – Brasilien 12:8 (3:1, 3:1, 2:1, 4:5)
19:00 (B) Niederlande – Frankreich 11:11 (2:3, 0:2, 3:4, 6:2)

Donnerstag, den 18. Februar 2021
13:00 (A) Montenegro – Georgien 11:9 (3:3, 3:1, 1:1, 4:4)
14:30 (A) Kanada – Griechenland 6:19 (1:6, 1:3, 2:4, 2:6) 
17:30 (B) Frankreich – Rumänien 16:7 (5:2, 3:1, 5:1, 3:3)
19:00 (B) Russland – Niederlande 11:10 (3:3, 3:1, 1:2, 4:4)
20:30 (B) Kroatien – Deutschland 22:8 (5:3, 6:2, 5:1, 6:2) 

Gruppe A: Montenegro 8 Punkte, Griechenland 6, Georgien 4, Kanada 2, Brasilien 0
Gruppe B: Russland 9 Punkte, Kroatien 8, Frankreich 5, Niederlande 5, Rumänien 3, Deutschland 0

Freitag, den 19. Februar 2021
14:00 Montenegro – Niederlande 13:7 (4:0, 3:3, 3:4, 3:0) – Viertelfinale
16:00 Griechenland – Frankreich 17:14 (6:4, 1:4, 3;4, 3:1/4:1) nach Fünfmeterwerfen – Viertelfinale
18:00 Georgien – Kroatien 6:15 (2:6, 1:6, 1:2, 2:4) – Viertelfinale
20:00 Kanada – Russland 9:17 (2:5, 3:3, 3:4, 1:5) – Viertelfinale

Sonnabend, den 20. Februar 2021
14:00 Niederlande – Georgien 14:11 (4:1, 4:3, 3:4, 3:3) – Platz 5/8
16:00 Frankreich – Kanada 11:9 (3:2, 1:2, 5:3, 2:2) – Platz 5/8
18:00 Montenegro – Kroatien 14:12 (3:2, 2:3, 3:4. 2:1/4:2) nach Fünfmeterwerfen – Halbfinale
20:00 Griechenland – Russland 13:10 (4:3, 2:2, 5:4, 2:1) – Halbfinale

Sonntag, den 21. Februar 2021
10:00 Georgien – Kanada 18:10 (4:2, 8:3, 3:2, 3:3) – Spiel um Platz 7
12:00 Niederlande – Frankreich 10:9 (4:2, 1:3, 0:3, 5:1) – Spiel um Platz 5
14:00 Kroatien – Russland 25:24 (4:3, 2:4, 3:1, 2:3/14:13) nach Fünfmeterwerfen – Spiel um Platz 3
16:00 Montenegro – Griechenland 10:9 (2:3, 3:3, 1:2, 4:1) – Finale

Endstand

1. Montenegro – qualifiziert
2. Griechenland – qualifiziert
3. Kroatien – qualifiziert

4. Russland
5. Niederlande
6. Frankreich
7. Georgien
8. Kanada
9. Rumänien
10. Brasilien
11. Deutschland

 

 

 

 

 

 

 

 

Glückloses Ende: Bundestrainer Hagen Stamm beendete mit dem Olympiaqualifikationsturnier seine Tätigkeit für den DSV. Foto: Matthias Beckonert
Zurück